Der Rugbysport trauert um Peter Bews

  • 20. September 2020

Ein Nachruf für einen unermüdlichen Förderer der Rugby-Jugend

Die Rugbyspieler trauern um Peter Bews. Der langjährige, verdienstvolle Jugendwart des Rugby-Verbandes Baden-Württemberg (RBW) verstarb am 12. September 2020 im Alter von 76 Jahren an einer kurzen, heimtückischen Krankheit in seiner Wahlheimat Heidelberg. Vor sechs Wochen wusste er noch nicht, dass er krank ist, sein Leben rasch zu Ende gehen würde, dass die Ärzte ihm nicht würden helfen können.

Mit Peter Bews verlor der deutsche Rugbysport einen seiner Vordenker, aber auch einen scharfen Kritiker von gedankenlosem Handeln, Bequemlichkeit und Müßiggang. „Warum tun Sie das nicht?“, fragte Peter Bews laut in die Runde, wenn Vereinsjugendleiter wieder einmal verschwitzt hatten, einen Zuschussantrag fürs Schul- und Vereinsrugby beim Sportbund zu stellen. Hart und unermüdlich in der Sache, verbindlich im Ton, ein echter Freund, der seine Meinung ohne Scheu vertrat und immer nach Mitstreitern und Verbündeten suchte – und sie fand. Zu keinem Zeitpunkt gab es in seinem Jugendausschuss, den er von 1999 bis 2009 und nochmals von 2012 bis 2016 mit klaren Vorstellungen, aber auch locker und unterhaltsam führte, einen offenen Posten; alle Funktionen waren stets kompetent besetzt, auffällig oft von tatkräftigen und zuverlässigen Frauen.

Peter Bews wurde am 17. Juni 1944 im englischen Birmingham geboren. Die Verwüstung seiner Heimatstadt durch deutsche Bomben erlebte er nicht bewusst. Er setzte sich aus tiefer Überzeugung für die Verständigung junger Menschen ein, ab 1975 als Lektor am Anglistischen Seminar der Universität Heidelberg und später als RBW-Jugendwart, der die Sportpartnerschaften mit den Klubs in Cambridge, Shelford und Selkirk und mit der Bedford School in seiner Heimat pflegte, aber auch die Partnerschaftsprogramme mit Polen und Tschechien nutzte und über das Deutsch-Französische Jugendwerk den Austausch mit bedeutenden Rugby-Regionen ankurbelte, damit der baden-württembergische Nachwuchs von Besseren lernen konnte. Rhone-Alpes, Alpes-Maritimes/Cote d’Azur, Var, Midi-Pyrénées und Ile de France waren neben dem nahen Elsass und Lothringen regelmäßige Spielpartner der baden-württembergischen Landesauswahlen. Das internationale Siebenerrugby-Turnier „SAS Heidelberg Juniors & Girls Sevens“ mit den U16-Nationalteams aus Belgien, Israel, den Niederlanden, Polen, Rumänien, der Schweiz und Tschechien sowie den Regionalauswahlen aus British Columbia, Saskatchewan, Venetien und den deutschen Bundesländern baute er zu Europas wichtigstem Nachwuchsturnier aus und erweiterte es 2014 für die U18-Mädchen. Das alljährliche SAS Sommercamp mit 100 Jugendlichen und drei Nationaltrainern aus Wales war ebenso sein „Baby“ wie der SAS Juniorcup und der SAS Wintercup, die dem U8- bis U12-Nachwuchs unzählige Turnierspiele boten. „Wer viel und regelmäßig spielt, wird gut“, war seine Überzeugung.

Peter Bews kam durch seinen heute 35-jährigen Sohn James, der als Jurist in Berlin lebt, zur Rudergesellschaft Heidelberg, in der er half, wo Hilfe nötig war. Der selbstlos fleißige Mann fiel durch seine Freundlichkeit und soziale Kompetenz auf. Peter und seine Familie erlitten 2016 einen fürchterlichen Schicksalsschlag, als der neunjährige Sohn Ben durch einen Verkehrsunfall vor den Toren seiner Schule in der Heidelberger Altstadt ums Leben kam. Seither engagierte sich Peter Bews für die Verkehrssicherheit in Heidelberg und machte mit einem von ihm gegründeten und geleiteten Verein Schulwege sicherer.

Peter Bews, ein überzeugter Europäer, gab seine britische Staatsbürgerschaft aus Protest gegen die Brexit-Politik Boris Johnsons zurück und wurde am 21. März dieses Jahres für seine unzähligen Verdienste in der Jugendarbeit vom Sportausschuss des Heidelberger Gemeinderates zum „Förderer des Sports“ gewählt. Wegen des Coronavirus-Lockdowns konnte diese hohe Ehrung nicht durchgeführt werden. Die Sportplakette wird ihm posthum verliehen.

Er hinterlässt neben James seine Ehefrau Kirsten und die 17-jährige Tochter Lucy, die in Heidelberg zur Schule geht. Ihnen gilt unser Mitgefühl. Peter Bews wird am Samstag, 26. September, um 11 Uhr auf dem Friedhof Köpfel in Ziegelhausen beigesetzt. Um 12.30 Uhr folgt eine Trauerfeier in der Heiliggeistkirche, an der nach den Corona-Bestimmungen 160 Personen teilnehmen können. Claus-Peter Bach